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Mit ‘Romane’ getaggte Beiträge

Back to the roots

20. März 2023

Bernhard Blöchl

Man könnte sagen, es war nur eine Lesung. Man könnte sagen, es war so viel mehr. Am vergangenen Wochenende war ich in Marienbad zu Gast, im famosen Falkensteiner Spa Resort Marienbad, um dort aus „Eine göttliche Jugend“ zu lesen (Volk Verlag). Zum ersten Mal außerhalb Bayerns, zum ersten Mal überhaupt eine Lesung in Tschechien. Neu und überwältigend war das nicht nur, weil die Gegend Eddies und meine Familiengeschichte geprägt hat und mich emotional back to the roots katapultierte, sondern auch weil ein Überraschungsgast zur Lesung in die Library Bar (was für ein Name, was für ein Ort!) kam, ohne den mein Roman ein anderer geworden wäre: der Karel-Gott-Biograf und Textdichter Filip Albrecht.

Aber von vorn. Meine Großmutter mütterlicherseits stammt aus Rojau, einem kleinen Klosterdorf in der Nähe von Marienbad. Sie war Sudetendeutsche, die 1946 vertrieben wurde, und sie war Vorbild für Oma Elfie, die im Roman eine tragende Rolle spielt. Ich selbst war zuletzt als Teenager im Egerland, in einem Alter, in dem Eddie sein größtes Abenteuer erlebt. 30 Jahre später kehrte ich also zurück. Und durfte meinen Roman vorstellen, der sudetendeutsche Geschichte atmet. Dass ich mir Marienbad, Rojau und Kloster Tepla ansah, jene Orte, ohne die es mich und Eddie wahrscheinlich nie gegeben hätte, hat mich mehr ergriffen, als ich gedachte hätte.

Und dann die Lesung, die Gastfreundschaft, die Moderation von Hotelchef Reinhard Wall (danke für alles!), das Publikum und die neugierigen Fragen. Dankbarkeit deluxe. Frances Jackson vom Tschechischen Zentrum München war da, und es war auch Filip Albrecht da. Jener Mann, der mir bei der Karel-Gott-Recherche entscheidend geholfen hat (wie auch Wolfgang Kaminski, Gotts Manager, der mir ebenfalls ein göttliches Feedback gegeben hat). Albrecht hat deutsche Texte für Karels Lieder geschrieben, war Mitautor seiner Biografie, kannte Gott persönlich. Als er mir erzählte, dass so viel Wahres in meinem Roman steht, so viel schöne echte Details und dass er selbst eine ähnliche Geschichte wie Eddie erlebte, als er als Teenager das Idol aus Prag unbedingt kennenlernen wollte, da ging mir selbstverständlich das Herz auf. Er fragte, wann das Buch auf Tschechisch erscheine, und ich musste schmunzeln. Leider wahrscheinlich nie, sagt der doofe Realist in mir. Aber dieser Abend war zum Träumen da. Also träume ich. Und bin dankbar, wohin mich Eddies Reise führt.

Zehn Jahre Lesungen

23. August 2020

Bernhard Blöchl

Hier nun mal wieder ein freudiges Zucken meines Spielbeins, der Schriftstellerei. Ein Zucken, das mit einer der schönsten Lesungen einhergeht, die ich je hatte, was mir einen Erinnerungsflash deluxe verpasste, der mich von Homberg in Hessen nach Oelde im Münsterland schleuderte, ins Kranzbach in Oberbayern und ins Münchner Literaturhaus, auf einen Gipfel in 1750 Meter Höhe über Österreich, in Kinos, Hotels, Cafés und Buchhandlungen. Denn was mir infolge des jüngsten Auftritts bewusst wurde: In diesem Sommer vor zehn Jahren hatte ich meine allererste Lesung, aus meiner allerersten Kurzgeschichte (Danke für das frühe Vertrauen, Oliver Uschmann!). Zehn Jahre später sind zwei Romane von mir erschienen, ein dritter ist in Arbeit. Aber es gibt auch Probleme, dazu später mehr.

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Juli reloaded

24. März 2018

Bernhard Blöchl

Was wohl gewesen wäre, wenn mein Debütroman nicht vor fünf Jahren erschienen, sondern jetzt, mitten in die durch „Me Too“ befeuerte Gender-Debatte geplatzt wäre? Diese Frage stellt sich nicht nur mir, sondern offenbar auch meinem damaligen Verlag: Der tollkühne wie treue MaroVerlag hat gerade eine Anzeige für mein Buch geschaltet. Für ein Buch aus seiner Backlist, wohlgemerkt. So wie ich die Verlagswelt kenne, ist das schon bemerkenswert – und sollte gerade an einem Tag wie dem heutigen Indiebookday besonders betont werden. Danke dafür!

„Für immer Juli“ (Juli 2013) war ja der Versuch, die Orientierungslosigkeit des modernen, latent metrosexuellen Mannes, in einer Art Coming-of-Man-Komödie verschmitzt zu verarbeiten. Einerseits, um den Testosteron-Tonis à la Weinstein den Spiegel vorzuhalten. Andererseits, um einen Lösungsvorschlag im Sinne eines selbstbewussten emanzipierten Mannes aus dem wilden Plot durch München, Wien und Macholand herauszuschälen. Ich nenne das Ü-Literatur. Schon deshalb, weil ich die Unterhaltung Ernst nehme, und literarischer Ernst sehr wohl unterhaltend sein kann. Daran glaube ich wirklich.

Fix ist nix. Auf Schlingerkurs zum zweiten Roman

7. August 2016

Bernhard Blöchl

Berlin und ich, wir werden nicht warm. Wie mich der Schlingerkurs meiner Roadnovel auf geradezu surreale Weise real eingeholt und von Berlin zurück nach München gebrach hat: Ein verlegerischer Chaos-Trip mit mehr Plot-Twists, als einem Romanautor lieb sein kann.

SonotBerlin

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