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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (27)

29. April 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 27. Teil vom 29.4.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Akkordarbeiter

Am Sonntag feierten Deichkind eine ihrer unwiderstehlichen Krawallpartys im Zenith. Die lustigste Hedonismus-Hymne der Band aus Hamburg heißt Arbeit nervt, der Text darin geht so: „Seelenklempner, Viehbefruchter, Astronauten / würden gern im Weltraum schunkeln, schwofen, saufen / Profikicker, Paparazzi, Taxifahrer / Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht des Versagers.“

Wir von der SZ sehen das selbstverständlich anders. Wir platzen schier vor Ehrgeiz und arbeiten rund um die Uhr. Nur für Sie. Dennoch gibt es Kollegen, die fahren bereits am Tag vor dem Feiertag den Rechner nicht mehr hoch. Für diese Spezies bedeutet ein Feiertag vor allem eins: zwei Tage frei. Die Zeitungssprache nennt dieses Kuriosum redaktionsfreier Tag, welcher in der Überlegung wurzelt, dass eine Tageszeitung in der Regel nur werktags erscheint, also korrekterweise Werktageszeitung heißen müsste, weshalb der gemeine Redakteur schon vor dem Feiertag nutzlos wird. Diesbezüglich ist diese Woche besonders delikat, weil es sich beim bevorstehenden 1. Mai um den Tag der Arbeit handelt, den Redakteure mit alten Verträgen doppelt feiern – indem sie doppelt faulenzen.

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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (26)

16. April 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 26. Teil vom 16.4.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Katze kotzt, Nachbar motzt

An Ostern besuchte ich mal wieder die Therme Erding, was freilich eine saudumme Idee war, ich habe mich gefühlt wie in einem Wimmelbild in Rimini. Zu meiner Verteidigung möchte ich betonen, dass ich zur Recherche dort war, die haben da kürzlich ein schickes Hotel angebaut, wo Entspannung sehr wohl möglich war, selbst in den Ferien. Nur ein bisschen Ruhe zu finden, kommt bekanntlich einer Meisterleistung gleich, gerade in diesen Tagen, da wieder alle den Gärtnerplatz respektive das Isar-Ufer belagern, als gelte es herauszufinden, was Lemminge beim Picknick empfinden.

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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (25)

26. März 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 25. Teil vom 26.3.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Punk, Sex und Wahnsinn

Als Punk spannend war, hörte ich Benjamin Blümchen. Schöner Mist, aber so ist es nun mal. Ich wurde geboren, als die Sex Pistols „Anarchy in The U.K.“ plärrten, und während ihre Brüder im Geiste Pogo tanzten und Iro trugen, beschränkte sich mein persönlicher Protest darauf, mit dem Plastikbagger Erde aus der väterlichen Zimmerpflanze auf den Teppich zu schaufeln und „törööö!“ zu rufen. Deshalb bin ich, der in den viel zu braven Neunzigerjahren pubertierte und wenigstens Nirvana hatte, regelmäßig neidisch auf all die Frühergeborenen, denen nicht erst Green Day verdeutlichen mussten, was Punk nicht sein wollte.

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Für immer Juli statt Regentristesse

23. März 2015

Bernhard Blöchl

Es war ein verregneter Tag, dieser Welttag der Poesie. Zumindest in München, wo es am Abend schüttete, als hätte der Himmel Grund gehabt zu heulen, womöglich wegen des Mangels an Poesie in der Stadt, wer weiß das schon? Drinnen flossen keine Tränen, drinnen floss nur Wein, und den Besuchern, die sich in die Buchhandlung „Isarflimmern“ gerettet und den Raum ordentlich gefüllt haben, war dann doch eher nach Lachen zumute. So kam es mir zumindest vor während dieser ganz besonderen Lesung.

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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (24)

16. März 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 24. Teil vom 16.3.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Das ewige Lesen

Nicht, dass ich scharf darauf wäre, sie näher kennenzulernen, allerdings frage ich mich durchaus, wo sie denn eigentlich sind, die viel beschworenen Nichtleser. In Leipzig eher nicht, da schoben sich in den vergangenen Tagen knapp 190 000 Menschen durch riesige Messehallen, als wären die dort präsentierten Literaturneuheiten knapp bemessene Superdrogen. München ist ebenfalls im Zeilenrausch, auch ohne Messe. Beim Krimifestival (noch bis Ende März plus Nachschlag) sind die meisten Veranstaltungen längst ausverkauft, und schaut man sich den Rest-März im Kulturkalender an, dann kommen Bücherfreunde aus dem Staunen kaum heraus, so viel wird ihnen hier geboten. Weiterlesen

Lesung am Indiebookday

14. März 2015

Bernhard Blöchl

Große Freude! Am Samstag, 21. März, 20 Uhr, lese ich endlich mal wieder in München: In der wunderbaren Buchhandlung Isarflimmern (an der Reichenbachbrücke) feiern wir den Indiebookday 2015. Ich werde meinen Roman Für immer Juli vorstellen, und die Kollegin Anika Landsteiner schenkt dem Männerabend die weibliche Note. Die Autorin und Schauspielerin wird ergänzende Passagen aus „Schluss mit luschig! Anleitung zum Mannsein“ präsentieren, weil Juli, ehm, verhindert ist. Alle Infos hier.

Lesung_Flyer

Gastbeitrag über „verschämte Literaturen“

13. März 2015

Bernhard Blöchl

Die Kollegin Birgit Böllinger hat mich kürzlich um einen Gastbeitrag für ihr Literaturblog „Sätze & Schätze“ gebeten. Aber gerne doch! Für die herrlich rotwangige Reihe verschämte Literaturen habe ich skizziert, was mich beim Romanschreiben inspiriert hat. Konkret habe ich über ein Buch geschrieben, das Julis Tour de force maßgeblich beeinflusst hat: „Die perfekte Masche“ von Neill Strauss. Weiterlesen

SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (23)

21. Februar 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 23. Teil vom 20.2.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
And the winners are … oder auch nicht

Gerade durfte man sich wieder daran gewöhnen, dass einem nicht ständig kostümierte Hallodris begegnen, und schon treibt der Verkleidungswahnsinn neue Blüten. In Los Angeles zumindest, wo am Sonntag die Oscars verliehen werden. Und da schaut natürlich jeder hin, der sich fürs Kino interessiert – oder eben für extravagant eingehüllte Millionärinnen und Millionäre, deren Stilberater respektive Couture-Sponsoren den schmalen Grat zwischen great und greislig nicht immer preiswürdig meistern. Masken gibt es da zwar nicht, erschrecken kann man sich bei einem allzu lässig zurechtgespritzten Krähenfuß oder einer Wurst von einem Kleid aber auch ganz gut. Zum Glück geht es auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten vorrangig um Filme. Kleiner Scherz, es geht natürlich nicht um die Filme, es geht um die Stars – und um die Fehlentscheidungen der Academy, vor allem darum geht es.

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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (22)

10. Februar 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 22. Teil vom 9.2.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Fifty Shades of Schamesröte

Würde es mir gelingen, gleich im ersten Satz die Wörter Studentin, Milliardär, Sex und Macht unterzukriegen, stünden die Chancen fabelhaft, dass alle weiterlesen. Ließe ich im zweiten Satz die zwar etwas komplizierten, gleichwohl fesselnden Begriffe BDSM, Playroom und Sub fallen, wäre mir Ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit sicher (nachdem Sie mit dem Googeln fertig sind, versteht sich). Man muss den Leser, mit Verlaub, bei der Stange halten. Dachte ich mir, als ich diese Kolumne begann. Und siehe da, Sie sind noch hier. Weiterlesen

SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (21)

28. Januar 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 21. Teil vom 27.1.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Bartgerechte Haltung

Ob Sie das interessiert oder nicht, aber für diese Zeilen habe ich mich extra rasiert. Glauben Sie mir, am Ende werden Sie mich verstehen. Eine steile These aus dem Gender-Dschungel geht ja so: Je härter die Zeiten, desto wilder die Bärte. Dahinter steckt die naive Annahme, der Typ Testosteron-Toni tauge eher zum Anpacker als der metrosexuelle Feingeist, dem man außer Feingeistigem nichts zutraut.

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