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Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Autoren auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 34. Teil vom 28.10.2015:
VORSCHLAG-HAMMER
A Priserl Esprit
Forever young, I want to be forever young“, schmettert Georg Schiessl, der Direktor der Teatro-Revue „Herzstücke“, als würden von seinem Gesang die grauen Haare verschwinden. Am Ende der Dinner-Show, die seit kurzem wieder im Spiegelzelt in Riem über die Rundbühne geht, bekräftigt auch Alfons Schuhbeck, dass er noch immer jung genug ist für ein bisschen Rock’n’Roll: Er tauscht Kochlöffel gegen Mikro und singt „Blueberry Hill“ und „I Can’t Stop Loving You“.
Auch ich finde Ingwer toll, keine Frage, wenngleich ich nicht so sehr an dessen Wunderkraft glaube wie der Zampano der Münchner Gastroszene. An die belebende Wirkung junger Kunst glaube ich dagegen schon, an das Priserl Esprit, wie Schuhbeck vielleicht sagen würde.
Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 33. Teil vom 15.10.2015:
VORSCHLAG-HAMMER
Hüllenlos in München
Sex-Skandale taugen immer für einen steilen Einstieg, fangen wir also mit dem Playboy an. Kürzlich wurde ja bekannt, dass das erlauchte Herrenmagazin auf Nacktfotos verzichten wolle, weil hüllenlose Frauen überholt seien. Schuld habe, hieß es weiter, das schamlose Internet. Was das mit Kultur zu tun hat, fragen Sie? Jede Menge. Der Playboy ohne Entblätterte ist wie die Frankfurter Buchmesse ohne Papier. Schwer vorstellbar, passiert aber schleichend. Auch auf dem Buchmarkt sorgt das Digitale für Veränderungen, was mitunter auch die Inhalte betrifft. Das kann überprüfen, wer sich am Wochenende durch die Messehallen schiebt. Da ich aber selbst nicht in Frankfurt sein kann, viele von Ihnen wahrscheinlich auch nicht, hilft das hier nicht weiter. Aber zum Glück leben wir in einer Stadt, die kulturell selbst dann mithalten kann, wenn die Scheinwerfer anderswo aufgebaut, die roten Teppiche anderswo ausgerollt werden.
Zwei besondere Leseabende gab es im taufrischen Herbst: der eine zum guten Zweck ums Eck, der andere zum Spaß in Österreich. Aber der Reihe nach.
Als mich Bettina Meissner, die gute Fee vom Isarflimmern, fragte, ob ich bei einer Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Flüchtlingshilfe mitmachen wolle, sagte ich sofort zu. Etwas vorlesen (Janne Teller: „Krieg – Stell dir vor, er wäre hier“, Christoph Miler: „Nowhere Men“), etwas spenden und die Zuhörer motivieren, ebenfalls ein bisschen Geld zu geben – das schien mir eine gute Sache zu sein. Der Abend in der Buchhandlung an der Reichenbachbrücke war denn auch eine gute Sache. Mehrere Autorenkollegen, darunter Sarah Elise Bischof und Anika Landsteiner, machten ebenfalls mit, die mehrstündige und mit Musik und Moderation angereicherte Veranstaltung war gut besucht. Ein Fest für die Literatur, ein Hoch auf die Menschlichkeit und die Erkenntnis: Im Kleinen was bewegen, doch, das geht.
Bei der Lesung eine Woche später im Hotel Hochschober in Österreich standen die Vorzeichen etwas anders. Da ging es nicht ausschließlich um Haltung, sondern vor allem um Unterhaltung. In der Reihe Literatur am Berg durfte ich im einzigartigen Chinaturm aus „Für immer Juli“ und „Schluss mit luschig!“ lesen. Ein schelmischer Abend vor neugierigen und sehr entspannten 20 Zuhörern. Lesungen und Wellness passen, das weiß nicht nur Juli, hervorragend zusammen.





